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Project Low Budget Racing

BMW R 1100 R "road&track", Project LOW BUDGET RACING

Das Kribbeln in meiner Magengegend war stark: Nach 10 Jahren Rennstrecken-Abstinenz musste das Knie wieder auf den Boden! Bei Hobbyrennen sollte Adrenalin in Strömen fließen, aber kein Vermögen aufgewendet werden!

Als BMW-Boxer-Experte musste es natürlich ein „Tuttelbär“ sein, und zwar kein Sportboxer sondern ein klassisches Naked-Bike. Immerhin belegten vor 30 Jahren zwei Boxer-BMWs die Plätze 1 und 2 beim WM Lauf in Daytona.

Das richtige Bike war nach einiger Suche in Gestalt einer pensionisten-gepflegten R1100R aus dem ausgereiften 98er Modelljahr gefunden. Auf der Soll-Seite standen hohe Laufleistung und schwergewichtige Touren-Ausstattung mit Scheibe, Koffern und Topcase. Auf der Haben Seite ein technisch fast makelloses Boxer-Bike mit vollständigem Serviceheft. Das potenzielle Ring-Eisen wurde penibel gecheckt, der Kompressionstest zeigte gleichmäßige Werte und auch die Motoröl-Analyse sprach für einen einwandfreien Zustand: Das Projekt „Low-Budget-Racing“ konnte also beginnen. Das Ziel: Mit maximal 5.000 € ein zuverlässiges und leicht fahrbares Motorrad aufzubauen, das auf kurvigen Straßen und Rennstrecken weit stärkere Bikes ärgern kann, und gleichzeitig Versuchsträger für Teile und technische Modifikationen ist: Vieles wurden abgebaut oder durch Teile mit ABE ersetzt, um legalen Straßenbetrieb zu ermöglichen: Z.B. Wunderlich Superbike-Umbau für optimale Sitzposition und Cockpit-Verkleidung. Zumindest optisch war das Ergebnis damit schon durchaus sportlich.

BMW R 1100 R Racing

Bei den Bremsen setzte ich auf Lucas Sinterbeläge und Stahlflex-Leitungen. Am Fahrwerk kam hochwertiges WP-Suspension Material zum Einsatz. Die WP-4014-Emulsion Federbeine mit Zugstufenverstellung wurden unter Berücksichtigung des Bike-Checker-Idealgewichts und des geplanten Einsatzzwecks individuell angefertigt. Der Schmerz der mehrwöchigen Lieferzeit wurde durch ein tolles Preis/Leistungs-Verhältnis (499 €/Stück) und die edle Verarbeitung gemildert. Durch die Höhenverstellung hinten konnte das Heck angehoben werden. Vor allem deshalb wichtig, weil die Hinterfelge durch eine kleinere aber breitere 5,5x17er Felge ersetzt wurde. Neben der genialen Optik der 5-Speichen Felge war so die Verwendung topaktueller Supersport-Mischungen und Slicks möglich.
Der Motor bekam ein großes Service, die Einlasskanäle wurden geglättet, penibel synchronisiert und die Motronic der E-geprüften Leovince Sportauspuffanlage angepasst. Geiler Boxer-Sound, feine Leistungsentfaltung und unter 200 KG trocken waren das Ergebnis. Nach umfangreichen Testfahrten wurde mit Spannung die erste Ausfahrt auf die berüchtigte Dopplerhütte erwartet. Neben fantastischer Straßenlage überzeugte die zwar straffe aber durchaus komfortable Abstimmung der WP-Komponenten.

BMW R 1100 R Pannoniaring

Ihre ersten Rundstrecken-Erprobungen bestand die 1100er dann am Pannoniaring und der eigentlich für ein Straßenbike zu engen Supermoto-Strecke in Bad Fischau. Boxer-untypische Gas-Wheelies aus den engen Ecken überzeugten ebenso wie die Fahrwerksabstimmung: Weder beim harten Beschleunigen noch beim Anbremsen kam es zu dem bei Boxer-BMWs üblichen Stempeln. Und nach mehr als 10 Jahren war das Knie endlich wieder am Boden! Der einsetzende Übermut wurde durch zwei heftige Rutscher auf der staubigen Strecke leicht gedämpft. Doch Boxer-Tutteln bieten neben der vielgepriesenen Wartungsfreundlichkeit einen weiteren, mir bisher unbekannten Vorteil: Rutscher über beide Räder werden von den Zylinderschützern sanft aber effektiv abgefangen und bieten so ein echtes Sicherheitsplus!